Die künftigen Geschäftsmodelle der digitalen Stromwirtschaft


Auf der CleanTech-Konferenz drehte sich dieses Mal alles um die Frage der Umgestaltung des gesamten Energiesektors. Ein zentrales Problem dabei: Wie lassen sich beim Zusammenwachsen von Beleuchtung, Wärme und Verkehr auch dynamische Jungunternehmen mit der Unternehmenskultur der etablierten Versorger und der Welt der potenziellen Kapitalgeber näher zusammen bringen? Experten aus der Wirtschaft, der Investoren-Szene und Start Ups tauschten sich aus.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

- zu unserer Reportage über die “Diffuse Energiezukunft” über das Verschmelzen von Wärme, Licht und Verkehr – hier

- zu unserem Bonus-Clip mit dem vollständigen Interview über die Swarm-Technologie von Caterva GmbH mit Markus Brehler – hier

- die Gewinner des CleanTech Award 2014 – hier

Mehr Hintergrund-Inofs zum Inhalt des Videos:

2014 waren die Erneuerbaren Energien mit rund 25 Prozent Anteil bei der Bruttostromerzeugung erstmals die wichtigste Energiequelle im deutschen Strom-Mix. Gleichzeitig driftet die früher zentrale Stromproduktion bei den etablierten Versorgern immer mehr ins Abseits, der Dienste-Sektor gewinnt an Bedeutung. Strom zu erzeugen, wird zum „Massenprodukt“, das immer mehr ins Lager privater Investoren rückt – mit gänzlich neuen Kaufentscheidungen. Nicht mehr der Business Case wie bei Großkraftanlagen steht beim privaten Käufer im Mittelpunkt, sondern Zeitgeist, Kosten und hippes Design.

Die zunehmende Zahl von privaten Photovoltaik-Anlagen führt bereits zur Entstehung ganz neuer Geschäftsmodelle, wie sie auf der CleanTech von verschiedenen Start Ups vorgestellt wurden. Sie digitalisieren die Wertschöpfungskette, machen das Stromnetz zur all umfassenden Nervenbahn des Gebäudemanagements und stellen private Stromspeicher in einen intelligenten Swarm. Wie man aus dem Energie-Swarm Geld machen kann, das stellte das Start Up Caterva vor. Die eigene Erzeugungsleistung der privaten PV-Anlagen stellt der Kunde über einen von Caterva gemieteten Speicher in die Cloud eines privaten Netzwerks. Diese kollektive Stromproduktion bietet Caterva den Netzbetreibern als Dienstleistung im sogenannten Regelleistungsmarkt an. Dieser Regelleistungsmarkt gewinnt zunehmend an Bedeutung, stellt er für Netzbetreiber doch sicher, dass die Netzfrequenz auch bei zunehmend wetterabhängiger Produktion stabil gehalten und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden kann. Der Caterva-Kunde kann im Gegenzug die von ihm produzierte Strommenge zu hundert Prozent völlig zeitunabhängig kostenlos nutzen.

Die dramatischen Veränderungen des Energiemarktes und die zahlreichen Start Ups mit kreativen, aber meist komplexen und daher erklärungsbedürftigen Geschäftsmodellen sind in der deutschen Investorenszene noch nicht sonderlich beliebt. Der Markt entwickelt sich noch, es gibt noch viele Unsicherheiten. Investoren sehen dabei vor allem das große Risiko der derzeitigen Marktsituation. Denn sie brauchen fünf Prozent Rendite – und auf keinen Fall ein Konstruktionsrisiko, wie es heute beispielsweise für die Technologie der großen Offshore-Anlagen gilt. Sie monieren zudem intransparente, monopolistische Teilstrukturen des Marktes, verbunden mit einer für das Kapital eher unkontrollierbaren Regulierungswut der Politik – kurzum: der Markt brauche erst einmal ein wesentlich festeres Fundament.

Die CleanTech-Konferenz machte jedoch deutlich, dass alle Player im Markt inzwischen damit beginnen, nach erfolgversprechenden Wegen zu suchen, Kreativität, stabile Kundenbeziehungen und Kapital in ein tragfähiges Konstrukt zu bringen. In unserer Reportage über die CleanTech-Konferenz kommen unter anderem Ralf Klöpfer, Vorstandsmitglied der MVV Energie, Uli Hüner von EnBW, Robert Pottmann von der MEAG Munich Ergo Asset Management sowie Markus Brehler von Caterva zu Wort.

Erstsendung: Dezember 2015

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