Wie interdisziplinäre Krebstherapie hilft, Organe zu retten


Prof. Dr. Rolf Sauer war bis 2008 Direktor der Strahlenklinik am Universitätsklinikum in Erlangen. Der emeritierte Wissenschaftler ist Radio-Onkologe und seit dreißig Jahren Verfechter einer interdisziplinären Krebstherapie. Chirurgische Eingriffe, Strahlenbehandlung, Chemotherapie und die bisher noch in klinischen Tests stehende Hyperthermie, also die ergänzende Wärmebehandlung, sollen als ganzheitliches Therapiekonzept gesehen werden. Rolf Sauer gehört damit zu den Pionieren der Personalisierung in der Medizin, die heute mit einer auf den einzelnen Patienten abgestimmten Behandlungsmethode als der große Trend im Gesundheitssystem gilt.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

- Plattform für personalisierte Medizin – Link
- Beitrag „Ärzteblatt“ über personalisierte Medizin in der Onkologie – Link
- Projekt Personalisierte Medizin der Fraunhofer-Gesellschaft – Link

Mehr zum Inhalt des Videos:

In unserem Talk mit Dr. Susanne Päch anlässlich des Krebskongresses in Berlin 2012 erläutert Rolf Sauer die Vorzüge des Modells einer interdisziplinären Krebstherapie und gibt Einblick in den Stand der klinischen Studien zur Hyperthermie. Dieser ergänzende Baustein in der Therapie mit Chemo und/oder Bestrahlung verstärkt deren Wirkung deutlich – und vielfach auch Organ erhaltend ohne operativen Eingriff.

Die Hyperthermie ist eine seit dreißig Jahren in Universitätskliniken eingesetzte Methode, deren nachgewiesener Erfolg in der Praxis bis heute jedoch nicht mit genügend exakt angelegten klinischen Studien überprüfbar ist. Für negatives Image sorgen auch medizinische Angebote von Arztpraxen für „Hyperthermie“ oder auch „aktive Fiebertherapie“, die ins Lager der „Alternativmedizin“ gehören. Für seriöse Hyperthermie ist extrem aufwändige Gerätetechnik nötig, die sich in Deutschland nur wenige Universitätskliniken leisten können.

Die Wirksamkeit der Wärmebehandlung bei der Bekämpfung von Tumorzellen weisen neueste molekularbiologische Erkenntnisse eindeutig nach. Der von Rolf Sauer ins Leben gerufene „Atzelsberger Kreis“ mit seinen rund vierzig Mitgliedern, der sich aus Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen sowie Physikern, Immunologen und Molekularbiologen zusammensetzt, hat sich zum Ziel gesetzt, die Erfolge der Hyperthermie in breit angelegten wissenschaftlichen Studien nachzuweisen und ihr so als seriöse Behandlungsmethode international zum Durchbruch zu verhelfen.

Zum Thema der neuesten molekularbiologischen Grundlagenforschungen der Wärmebehandlung von Tumorzellen werden wir in Kürze einen eigenen Bericht senden. Er lässt auch die molekularbiologischen Experten des Exzellenzclusters „Personalisierte Wissenschaft“ vom Strahlenklinikum in Erlangen und vom Klinikum rechts der Isar der TU München zu Wort kommen, die weltweit zu den führenden Forschern dieser Fachrichtung zählen.

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