Teil 1: Smart Grid, klassische Energieversorger und die Stadtwerke


Die Energiewende wird heute vor allem über den Strompreis öffentlich debattiert. Dahinter steht jedoch mit dem Smart Grid ein technologischer Strukturwandel, der gewaltige Dimensionen hat. In einer zweiteiligen Reportage zeigt HYPERRAUM.TV die wesentlichen wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen in diesem Marktsegment. Im Mittelpunkt des ersten Teils stehen die Netzliberalisierung und die Stromerzeugung im Spannungsfeld der klassischen Energieversorger und der Stadtwerke.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

- zum zweiten Teil unserer Reportage über das Smart Grid, in dem es um die Ausgestaltung de Smart Grid aus Sicht der großen Betreiber wie für das regionale Verteilnetz geht – hier

- Die Bundesregierung zum Thema Energiewende – hier

- ITG im VDE zum Smart Grid – hier

- GE Geschäftsfeld Energie – hier

Mehr zum Inhalt des Videos:

Weitgehende Autarkie in der dezentralen Energieerzeugung, ein Verteilnetz, das Produktion und Auslieferung von Strom intelligent managt und flexibel tarifieren kann und ein internationales Backbone-Netz mit zentralen Kraftwerken, ergänzt durch Erneuerbare Energien – so sieht das große Bild der Energiewende aus. Dennoch fehlt eine klare Vorstellung davon, wie die Struktur des künftigen Energiemarktes aussehen soll.

Heute produzieren die klassischen Energieversorger noch 80 Prozent des Stroms vor allem aus Kohle, Atomenergie, Gas und Wasserkraft in zentralen herkömmlichen Kraftwerken und transportieren diese Energie im Einweg-Szenario zum Kunden. Bis dato haben die großen Vier keine relevanten Marktanteile an der Produktion Erneuerbarer Energien. Ihre Höchstspannungsnetze mussten sie im Zuge der Marktliberalisierung veräußern.

Änderungen auch in der Regionalverteilung, die in Deutschland traditionell in Händen der rund 900 Stadtwerke liegt. Die Liberalisierung hat die Stadtwerke von Technologiepartnern der vier Regionalmonopolisten zu Vertriebseinheiten verändert. Gleichzeitig wird heute in dieser von den Stadtwerken dominierten Verteilstruktur in Deutschland fast die gesamte Erneuerbare Energie erzeugt: Solar- und Windstrom werden von privaten Haushalten, genossenschaftlich organisierten Kleinbetreibern und Stadtwerken selbst produziert.

Aber ganz ohne zentrale Versorgung – wie von den Stadtwerken erträumt – wird es auch nach der Energiewende nicht gehen. Die großen Regionalbetreiber haben daher einen Strukturwandel vollzogen – der hießt: Minimierung des Konzepts dezentraler Energieerzeugung mit Erneuerbaren Energien durch offensiven eigenen Markteinstieg – gewaltige zentrale Offshore-Windparks.

Offen ist dabei die Frage des Transports des auf hoher See erzeugten Stroms. Ohne massierten Ausbau gewaltiger Hochspannungs-Gleichstromtrassen, Energieautobahnen, ist die Produktion aus Offshore-Windparks für die vier großen Betreiber nicht sinnvoll einzuspeisen. Die dafür erforderlichen Höchstspannungsnetze liegen aber nicht mehr in der Hand der Energieversorger. Die extrem teuren Trassen wollen die dafür verantwortlichen regulierten Netzbetreiber nicht aufbauen, und zudem blockiert öffentlicher Widerstand das Szenario der Offshore-Windparks.

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