Was leistet die Kernfusion und wie sicher ist sie?

In der ersten Folge unserer dreiteiligen Serie über die Zukunftsperspektiven der Kernfusion spricht unsere Moderatorin Dr. Susanne Päch mit Prof. Dr. Thomas Klinger vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. Fusionsreaktoren sollen künftig den Prozess der Sternentwicklung zur Energiegewinnung nutzen. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht neben der Rolle dieser Form der Atomenergie für die Energieversorgung von morgen vor allem die Frage nach der Sicherheit im Betrieb dieser Technologie – auch im Vergleich zur Kernspaltung.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

- mehr zur Grundlagenforschung und Wendelstein 7-X – hier

- Linkliste des EU-Projektes ITER zu Fusions-Forschungsprojekten in der Welt – Link

Mehr zum Inhalt des Videos:

Am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald wird seit 2009 der weltweit größte und auch modernste Fusionsreaktor der Welt aufgebaut. Wendelstein 7-X wird, so die Planung, 2014 erstmals in Betrieb gehen. Mit diesem Fusionsreaktor des Typs Stellarator soll erstmals der Nachweis der Möglichkeit eines Dauerbetriebs erbracht werden, wobei dem Reaktor für die Umwandlung von schwerem Wasserstoff, also Deuterium, in Helium. Damit die erforderliche extrem hohe Temperatur und Dichte im Vakuumgefäß erzeugt werden kann, ist bei Wendelstein 7-X allerdings noch Energie nötig als in der Reaktion entsteht.

Klinger ist überzeugt davon, dass der künftige globale Energiebedarf nur mit der Fusionstechnologie erfüllt werden kann. Auch sie macht die hohe Energie im Atomkern nutzbar; ebenso wie bei der Kernspaltung entstehen im laufenden Betrieb auch radioaktive Zerfallsprodukte, dennoch gibt es zwischen Kernfusion und Kernspaltung deutliche Unterschiede in der technologischen Risikobewertung. Bei der Fusion kann es beispielsweise zu keiner unkontrollierten Kettenreaktion kommen, zudem entstehen keine radioaktiven Abfälle in Brennstäben, die über Jahrtausende endgelagert werden müssten.

Deutschland ist in dieser Technologie nach Meinung von Klinger als weltweit führender Forschungsstandort anzusehen. Schon heute informieren sich deutsche und internationale Kraftwerksbetreiber laufend über die Fortschritte der Technologie im Max-Planck-Institut. Sie hoffen, mit der Fusionstechnologie das durch die Erneuerbaren Energien verlorene Terrain zurückgewinnen zu können. Denn Fusionsreaktoren sind eine Technologie, die aufgrund gewaltiger Investitionen nur von Großkonzernen wie den heutigen Energieversorgern aufgebaut werden kann. Während die Investitionen beim Aufbau der Reaktoren jedoch hoch sind, erfordert ihr laufender Betrieb mit schwerem Wasserstoff kaum Kosten.

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