Großforschung als Sponsor der schönen Künste

Große Institutionen für Forschung und Technologie treten als Kunst-Sponsoren auf. Vielfach haben sie den Kontakt zur Öffentlichkeit verloren, brauchen diese aber, da sie aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Über die schönen Künste versuchen sie sich den Zugang zu den großen Budgetsummen zu erleichtern. Für Künstler können solche Projekte nicht nur finanzielle Unterstützung bedeuten, sie helfen auch, die eigene Bekanntheit zu fördern. Die Reportage stellt einige Beispiele vor.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

- ESA-Projekt “Mit kreativen Science-Fiction-Technologien ins All” – hier

- Der Preis von Ars Electronica und CERN – hier

- Homepage des Diamond Synchrotrons – hier

- Video zur Ausstellung “Wanderer zwischen den Welten” über das Lebenswerk des Multitalents Herbert W. Franke im ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie – hier

- La Maison d´ailleurs in Yverdon – hier

Mehr zum Inhalt des Videos:

Zu den frühesten Kunst-Mäzenen von Großinstitutionen zählt die NASA. Seit den sechziger Jahren gibt es bei der amerikanischen Weltraumbehörde das Programm „artists in residence“. Auch das große europäische Labor für Teilchenphysik CERN in Genf pflegt ein vergleichbares Kunstprogramm. Seit 2011 hat das CERN zudem eine Kooperation mit dem Festival Ars Electronica in Linz gestartet, das sich seit seiner Entstehung 1979 weltweit zu einem der wichtigsten Festivals elektronischer Kunst entwickelt hat. Ein gemeinsam ausgeschriebener Preis sichert dem von einer Jury gekürten Gewinner nicht nur zwei Monate Arbeit im CERN zu, sondern auch ein stattliches Preisgeld von 10.000 €.

Einen anderen Weg der Kunstkommunikation geht Diamond Light Source in England. Das Diamond Synchrotron ist eine wissenschaftliche Anlage, die entwickelt wurde, um extrem intensive Röntgen- und Infrarotstrahlen sowie Ultraviolettes Licht zu erzeugen. Großes PR-Budget der staatlichen Institution ist hier in ein Projekt geflossen, bei dem dreißig Frauen eingeladen wurden, ihre Eindrücke in der wissenschaftlichen Anlage künstlerisch zu verarbeiten. Die dreißig Künstlerinnen sind inzwischen zu wichtigen Kommunikatorinnen der Institution geworden.

Die Europäische Raumfahrtinstitution ESA hat sich unter anderem mit der Literatur als Kunstform befasst. Ein Projekt gemeinsam mit dem Science-Fiction-Museum im schweizerischen Yverdon hat diese Literaturgattung darauf hin untersucht, inwieweit die dort dargestellten Ideen für Raumfahrt-Ingenieure interessant sein können.

Wissenschaft und Kunst- zwei Welten unserer Kultur. Oft mangelt es ihren Protagonisten an einer gemeinsamen Sprache, denn nur selten sind Künstler in der Welt der Wissenschaft zu hause und umgekehrt. Welten, die trotz gegenseitigen Bemühens oft nur nebeneinander existieren, weil die gemeinsame Sprache für ein tieferes Verständnis füreinander fehlt.

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